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FÜHREN BEGINNT NICHT IM KOPF – SONDERN MIT PRÄSENZ

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21. Aug.
4 Min. Lesezeit

Ein Beitrag zu Self-Embodiness von Romina Neu. Oder wie du mit einer einfachen körperorientierten Technik aus innerem Druck in klare, kraftvolle Führung kommst.


Führung findet nicht nur in Strategien, Entscheidungen und Gesprächen statt. Führung beginnt mit deinem inneren Zustand.


Und genau hier liegt eine Herausforderung. Kennst du das Gefühl, dass dein Kopf einfach nicht aufhört? Gedanken kreisen, To-do-Listen laufen im Hintergrund, Entscheidungen wollen getroffen werden, Gespräche werden im Kopf noch einmal durchgespielt? Und gleichzeitig wartet schon die nächste Herausforderung?


Gerade Menschen in Führungsverantwortung kennen diesen Zustand gut. Wir sind es gewohnt, zu denken, zu analysieren, zu planen und zu funktionieren. Unser Kopf ist ständig aktiv. Und irgendwann wird dieser Zustand so vertraut, dass wir ihn gar nicht mehr als Zustand wahrnehmen. Wir halten ihn für normal.


Analysieren. Bewerten. Planen. Entscheiden. Probleme lösen. Nächste Schritte überlegen. Unser Denken ist permanent aktiv – und irgendwann wird dieser Zustand zur Gewohnheit. Wir funktionieren.




Doch was passiert, wenn wir dauerhaft „nur im Kopf“ sind? Was passiert, wenn eine Führungskraft dauerhaft unter innerem Druck steht? Unsere Wahrnehmung wird enger. Wir reagieren schneller, statt bewusst zu agieren. Wir verlieren den Kontakt zu unserem Körper, zu unserer Intuition und zu dem Moment, in dem wir uns tatsächlich befinden.


Und genau das wirkt sich auch auf unsere Führung aus. Wie wir innerlich präsent sind, beeinflusst, wie wir führen. Wenn wir unter Druck stehen, übertragen wir diesen Druck oft unbewusst auf unser Umfeld – in unsere Kommunikation, unsere Entscheidungen und unseren Umgang mit unserem Team. Wir werden schneller ungeduldig, hören weniger aufmerksam zu, reagieren statt zu agieren oder versuchen, Situationen stärker zu kontrollieren.


Unser Team erlebt nicht nur, was wir sagen. Es erlebt vor allem, aus welchem Zustand heraus wir führen. Präsenz ist eine Leadership-Kompetenz!

Ein kraftvoller Leader muss nicht immer die Antwort kennen. Er oder sie muss in der Lage sein, auch in Unsicherheit präsent zu bleiben: In einem schwierigen Mitarbeitergespräch nicht sofort zu reagieren. In einem Konflikt nicht in die Eskalation einzusteigen. Unter Druck den Überblick zu behalten. Zuzuhören, ohne bereits die nächste Antwort vorzubereiten. Eine Entscheidung zu treffen, ohne von Angst oder Aktionismus getrieben zu sein.


Das klingt einfach. Ist es aber nicht unbedingt.


Denn viele von uns haben nie gelernt, unseren eigenen inneren Zustand bewusst zu regulieren. Wir lernen Managementmethoden, Leadership-Modelle und Kommunikationstechniken. Aber wir lernen selten, wie wir unseren Körper und unsere Aufmerksamkeit so einsetzen, dass wir auch unter Druck präsent und handlungsfähig bleiben.


Dabei kann genau das einen entscheidenden Unterschied machen. Und dabei braucht es nicht immer eine große Veränderung, ein Seminar oder eine komplizierte Methode. Manchmal reichen wenige Minuten.


✦ Zum Beispiel eine einfache Übung:


Wenn Sie merken, dass Sie gerade „zu viel im Kopf“ sind, probieren Sie diese drei Schritte:


1. Warm-up: Ankommen


Lege deine Hände auf deinen Körper und atme ruhig durch die Nase. Lege deine Hände zum Beispiel auf Brust und Bauch – und richte deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem. Du musst nichts erzwingen. Nichts erreichen. Es geht zunächst nur darum, aus dem Autopiloten auszusteigen und wieder wahrzunehmen, dass du einen Körper hast. Für einen Moment nichts lösen. Nur wahrnehmen. Ich bin hier.


2. „Sink your Chi“: Raus aus dem Kopf


Stell dir vor, deine Energie darf aus deinem Kopf nach unten fließen. Vom Kopf über den Oberkörper, durch das Becken und schließlich bis in deine Füße. Du musst dabei nichts Besonderes spüren. Das Bild allein kann helfen, deine Aufmerksamkeit aus dem Gedankenraum herauszuführen und stärker in deinen Körper zu bringen. Nicht höher, schneller, weiter – sondern tiefer. Das kann besonders hilfreich sein, bevor du in ein schwieriges Gespräch, ein wichtiges Meeting oder eine Entscheidung gehst.


3. „Mind in Feet“: Präsenz über den Körper


Und jetzt kommt der entscheidende Schritt: Bring deine vollständige Aufmerksamkeit in beide Füße. Spüre den Kontakt zum Boden. Wie stehen deine Füße? Wo ist Druck? Wo ist Wärme? Wie fühlt sich der Boden an? Bleibe für einige Atemzüge dort. Dein Kopf darf denken. Du musst deine Gedanken nicht stoppen. Aber deine Aufmerksamkeit liegt jetzt woanders. Richte deine Aufmerksamkeit vollständig auf deine Füße. Spüre den Boden. Den Kontakt. Das Gewicht. Die Stabilität.


Das passiert: Für einige Atemzüge kommst du aus dem Denken ins Spüren. Aus dem Reagieren ins Wahrnehmen. Aus dem Druck zurück in deine Präsenz. Und jetzt kannst du führen.


Der entscheidende Punkt ist nicht die Übung selbst. Der entscheidende Punkt ist, aus welchem Zustand heraus du anschließend führst. Denn deine Mitarbeitenden brauchen nicht permanent eine Führungskraft, die alles unter Kontrolle hat. Sie brauchen eine Führungskraft, die sich selbst auch dann noch führen kann, wenn es schwierig wird.

Eine Führungskraft, die zuhört, bevor sie urteilt. Die Klarheit ausstrahlt, ohne Härte zu erzeugen. Die Spannung aushalten kann, ohne sie sofort auf andere zu übertragen. Und die auch unter Druck bewusst entscheidet, anstatt automatisch zu reagieren.


✦ Self-Leadership ist die Grundlage von Leadership.


Vielleicht ist genau deshalb die nächste wichtige Leadership-Entwicklung nicht noch ein neues Modell. Sondern die Fähigkeit, präsent zu bleiben. Oft entsteht bereits nach kurzer Zeit ein Gefühl von mehr Ruhe, Bodenhaftung und Klarheit. Nicht weil plötzlich alle Probleme verschwunden sind. Sondern weil du deinen inneren Standort veränderst. Du bist nicht mehr ausschließlich in deinen Gedanken. Du bist wieder ganz da. Und genau das ist für Führung enorm wertvoll. Denn Präsenz bedeutet nicht, keine Gedanken, keinen Druck oder keine Unsicherheit zu haben.


Präsenz bedeutet, auch mitten darin bei dir bleiben zu können.

Vielleicht verändert diese kleine Übung nicht sofort dein ganzes (er)Leben.Aber sie kann einen Moment verändern.


Also: Probier es aus! Vor deinem nächsten schwierigen Gespräch, der nächsten Entscheidung, dem nächsten Meeting, in dem viel auf dem Spiel steht.


Atmen. Nach unten kommen. Füße spüren. Präsent werden. Dann führen.


Denn starke Führung beginnt nicht damit, mehr zu tun, mehr Strategien zu entwickeln. Manchmal beginnt kraftvolle Führung einfach nur damit, wieder ganz im eigenen Körper anzukommen. Sie beginnt damit, anders da zu sein.


☎️ Möchten auch Sie Ihre Präsenz stärken, wenn es mal wieder drunter und drüber geht? Sprechen Sie uns gerne an: kontakt@wandel-wagen.de

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